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Es mag ja sein, dass sich der Eine oder die Andere aus Greußenheim einmal auf diese Seite verirrt? Dann sollte diese Person etwas zu lesen haben, was sonst keinen Menschen auf der Welt interessiert.....
Nach über 20 Jahren im Greußenheimer Schulhaus bin ich zum Jahr 2000 einmal ausgebrochen - als Hommage an ein neues Jahrtausend. Da habe ich mich mit dem Pfarrer Ritter in die Bütt gestellt. Wo findet man sonst noch so einen Pfarrer? Alles Weitere ist unten nachzulesen!
Faschingssitzung Greußenheim 25./26. 2. 2000
H:Seit fuffzich Jahr tu ich jetzt putz
in der Schul den ganzen Schmutz.
Erst drunten in der Schul, dann oben –
ich will mich dafür ja net loben –
Aber es ist wirklich wahr:
Gesehn hab ich manches in diese Jahr!
R:Ja,Babett schau,mir geht es ähnlich!
Die gleiche Zeit bin ich jetzt nämlich
mit meinem Job auch dabei
als Hausmeister in der Pfarrei!
Und davon kannst du ausgehen:
Da gab´s auch einiges zu sehen!
H:Ich erzähl dir mal was:
Ganz früher, da warn die Lehrer wichtig,
ein jedes Wort von ihnen richtig!
Die hatten echt noch was zu sagen,
die Kinder taten´s ohne Klagen.
Wollte doch eins statt zu hören
lieber sich daheim beschweren,
dann kriegte es doch auf der Stelle
vom Vatter dazu noch ´ne Schelle!
Da hätt keiner es gewagt,
dass er was dagegen sagt.
Noch nicht einmal der Bürgermeister
-höchstens, vielleicht, ein zugereister...-
hätte dieses sich getraut,
weil dann der Lehrer ganz streng schaut.
Sowas saß einfach im Blut!
Und der Lehrer meint´s doch gut...
R:Ja, das waren echt noch Zeiten!
Da hat wegen Kleinigkeiten
keiner sich noch aufgeregt.
Auch der Pfarrer hat bewegt
seinerzeit ´s Gemeindeleben.
Ohne den ging gar nix. Eben!
Obwohl- das wird heut noch so gehalten
bei dem jetzigen wie beim alten.
H:Ja ja, aber der Lehrer
Wusste doch, wie der als kleiner
Fleischmann, Keller oder Scheiner
In der Schule war gewesen.....
Ob er konnte fließend lesen,
ob er faul war oder tüchtig,
ob er rechnen konnte richtig
oder ob er im Diktat
alles falsch geschrieben hat...
Dies im Dorf knüpft´ starke Bande,
weil der Lehrer jeden kannte.
R:Na hör, des war dem Pfarrer stets bekannt
wer was taugt bei uns am Land!
Gut , die Noten sind ihm nicht so wichtig,
wenn einer ministriern kann richtig.
S´Latein ham sie ja abgeschafft,
weil des net alle ham verkraft.
Das Ministriern so leichter geht,
weil nun der Ministrant versteht
was der Pfarrer von ihm will.
Früher waren das nicht sehr viel!
H:Aber der Lehrer hat immer alles verstanden, auch auf Lateinisch!
Ja und
Hoch geehrt ist er drum worden-
zwar bekam er keinen Orden-
aber hat man wo geschlachtet
hat man stets darauf geachtet,
dass dem Lehrer was gebracht
ehe er die Noten macht....
An den Festtagen die Torte
kriegte er von jeder Sorte
und Gemüse und Kartoffeln
brachten ihm die kleinen Stoffeln,
immer sehr darum besorgt,
dass er´s nicht woanders borgt!
R:Mein Pfarrer zwischen drei und vier
hat damals gebetet sein Brevier.
Dabei hat er beobacht könne,
ob alle in den Betten penne!
Bei denen, die draus rumgeschlichen
hat er´s sich gleich rot angestrichen.
Und am Sonntag nach der Predigt
war´n die allesamt erledigt!
Denn Schlendrian und Unmoral,
die duldet er auf keinen Fall!
Mit Namen hat er sie genannt,
schließlich warn alle ihm bekannt,
dem ist keiner ausgekommen,
wenn er sich nicht fromm benommen!
H:Siehste, die hatten alle zwei schwer was zu sagen!
Und drum auch der Herr Lehrer
Eingeladen wie der Pfarrer
zu Hochzeit und Begräbnis war er
und des Dorfes Politik
lenkte er so mit Geschick.
Und jeder hat darauf geacht,
dass er´s ja bloß recht ihm macht.
Heute keiner sowas tut.
Ja, sind die Kinder heut so gut???
Ach nä, Beamte sind´s ja jetzt!
Wer hat sie da bloß neigehetzt?
Der Lehrer darf heut nichts mehr nehmen,
weil sonst gleich irgendwelche kämen
die fühlten sich zurückgesetzt
und nähmen einen Anwalt jetzt.
R:Mein Pfarrer musst da nie drauf warten
der hatt schon immer seinen Garten.
Vor vielen Jahr ist das gewesen,
da hatten beim Kartoffellesen
sie Riesenmengen eingebracht.
Die Pfarrersköchin hat gemacht
daraus, was immer nur gegangen.
Es war ein Riesenunterfangen:
Kartoffelbrei am Frühstückstisch,
zum Mittagessen chips and fish,
am Abend dann serviert als Kloß –
es gab nur noch Kartoffeln bloß!
Hochwürden wurde rund und ründer.
Wenig Kartoffeln wär´n gesünder!
Die Pfarr´sköchin sah es mit Graus,
rief schließlich ganz verzweifelt aus:
Wen schaffen wir zum Essen an,
ein Säu - le oder ´nen Kaplan??
H:Na, das ist wenigstens eine echte Alternative!
Aber der Lehrer muss selber sehen, wo er bleibt.
Na, dafür gibt´s heute mehr Geld,
weil der Staat ihn jetzt anstellt.
Dafür muss er aber schweigen
und sich recht demütig verneigen
wenn wieder ihm was aufgedrückt.
Gut für ihn, wenn er sich bückt!
Angepasst und etwas krumm
schlurfen sie jetzt da herum!
Mir gibt das ehrlich viel zu denken:
Wie soll man so noch Kinder lenken?
Denn das hab ich doch gesehen:
In denne Jahr ist viel geschehen!
Früher ham die Leut gedacht,
dass es der Lehrer richtig macht.
Heut hat er´s fei wirklich net leicht,
bis er die Pension erreicht!
R:Ich denke mal das weißt du schon:
Ein Pfarrer geht nie in Pension!
Genau wie unser Heiliger Vater
bleibt lebenslänglich er Berater.
Doch hält er leichter sich im Lote:
Der Herr gab ihm die zehn Gebote!
Dass jeder sich nach ihnen richtet
Fühlt der Pfarrer sich verpflichtet.
Als Richtschnur, so für sich genommen,
ist nicht mehr viel dazu gekommen.
Denn seit tausenden von Jahren
Ist man damit gut gefahren.
Den Mantel nach dem Wind zu hängen
Lässt sich der Pfarrer drum nicht drängen.
Im Pfarrhaus gibt´s kei Politik!
Ein Pfarrer, der lenkt mit Geschick
Und Feingefühl stets seine Herde,
auf dass ein jeder selig werde!
H:Ja siehste, Eberhard, die hams gut.
Ich will dir aber jetzt erzählen,
mit was sich heut die Lehrer quälen:
Schon in der ersten Klass´ geht´s los:
Wie bringt man die Kinder zum Arbeiten bloß?
Denn manchmal macht es halt Verdruß,
wenn der Mensch was lernen muss.
Soll doch das soziale Wesen
nicht nur rechnen, schreiben, lesen,
sondern malen, basteln, singen,
über hohe Kästen springen,
stricken, häkeln und auch schneiden,
rechts von links gut unterscheiden
und ganz viele andre Sachen
die nicht immer Spaß nur machen.
Und dabei, es ist zum Gähnen,
soll es sich noch gut benehmen!
Und die Nägel soll es putzen,
weil der Hygiene dies von Nutzen.
Hier bei uns macht das seit Jahren
die Frau Köwer, sehr erfahren.
R:Die kenn ich auch! Mit viel Bedacht
sie Schülergottesdienste macht!
Mein Pfarrer hält sie sehr in Ehren.
Denn wenn solche wie die nicht wären,
da müsste er noch mehr selbst tun.
Er kommt ja jetzt schon nicht mehr ´rum!
Früher war in der Pfarrei
doch bloß Greußenheim dabei.
Inzwischen sind´s der Orte vier.
Und wenn´s so weitergeht, glaub mir,
schafft der den Landkreis ganz allein.....
Des kann doch auch net richtig sein!
H:Jetzt unterbrich mich doch nicht dauernd.
Ich erzähl dir grad von der Schul droben, also:
In der zweiten Klasse dann
herrscht hier eine Frau Hennermann.
Ziemlich laut geht es da zu,
selten ist im Zimmer Ruh.
Ständig zählt die Frau bis drei,
den Kindern ist das einerlei.
Ob die bei dem Krach was lernen,
das steht wirklich in den Sternen!
Neulich hab ich auch gehört,
was da drin die Ruhe stört:
Hatte doch der kleine Fritz
Spielzeugautos unterm Sitz!
Fuhr brumm- brumm froh in der Runde
mitten in der Rechenstunde.
Sie wollte das unterbinden,
Fritz jedoch kein Ende finden.
Laut ertönt sein Wehgeschrei,
dass die Henne böse sei.
Daheim hat er´s Mama erzählt
und die hat sofort angewählt,
um ihr ganz schnell klarzumachen:
Auch ich halt Sie für einen Drachen!
Na ganz klar, wenn Kinder wagen,
zu der Henne bloß zu sagen
ist Durchsetzen wohl nicht ihr Fall.
Ich sag dir, das ist Unmoral!
Dritte Klassen gibt´s da jetzt zwei,
eine von Hettstadt ist auch dabei
weil der Kindersegen dort
sprengt bei denen die Schule im Ort.
Von ihnen kann ich heut nichts erzähl´.
Sie gehör´n zu den Damen Peter und Behl.
R:Ja, dritte Klassen liebt mein Pfarrer!
Alle Jahre bisher war er
immer für den Kommunion-
unterricht zuständig schon.
Heuer hamsen ´rausgedrängt,
was an der Stundentafel hängt.
Für Religion gab´s ein Gedränge
und Relilehrer jede Menge.
Da hatt er halt darauf verzicht´.
Ich glaub, geärgert hat´s ihn nicht!
Er hat, wie soll ich das jetzt sagen,
ja sowieso schon voll den Kragen.
In der Pferdekutsch´ gemütlich
taten die sich früher gütlich.
Heut käm der ja nirgends an,
hätt er nicht seinen Karavan!
Und statt der Sammlung: Brot für die Welt
g´hört dem ein Hubschrauber bestellt!
H:Jaja, aber kannst du nicht mal still sein?
Ich bin jetzt bei der 4. Klasse:
Denn jetzt wird’s allerdings rabiat,
weil der Übertritt bald naht!
Ob Heidi, Helga, Franz und Peter-
übertreten will ein jeder!
Gymnasium wird angestrebt,
schon deshalb, weil´s das Anseh´n hebt...
Und wer´s ein bisschen kleiner liebt
für den´s jetzt gleich Realschul gibt.
Neulich wurde mir erzählt,
was die Eltern heute quält:
„ Mein Kurti wurde unterstützt
mit allem, was dem Geiste nützt.
Mit Fußball, Flöte, mit Kung – Fu,
Kinesiologie kam auch dazu,
Gitarrespielen und Ballett
(drum kommt er häufig spät ins Bett)
Tennis lernt er und auch reiten,
besuchte einen Grundkurs „streiten“,
Termine hat er täglich viel.
Er hat ja kaum noch Zeit für´s Spiel!“
Dem Buben wird doch was geboten!
Jetzt braucht er nur noch gute Noten....
Die Frau Kosmitzki soll sie schreiben.
Dann darf sie auch in Greußi bleiben!
R:Ja, das bleibt ihr doch unbenommen!
Sonst muss ´ne Aushilfe halt kommen.
Dazu fällt mir grad noch was ein:
Wie mein Pfarrer einmal sein
Pensum nicht mehr hat geschafft,
bekam er auch ´ne Aushilfskraft!
Vom Käppele bestellt ein Pater,
Manuel geheißen hat er.
In der Kirch saßen die Leute,
fast so viele wie hier heute,
ham gebrummelt und gewartet,
dass endlich die Messe startet.
Nix ist passiert. Keiner war da.
Endlich erschien er. Halleluja!
Der Pater war, groß ist die Welt,
statt hier erst in Kleinrinderfeld!
Übrigens, deine Lehrer da droben sind technisch auch net gut drauf.
Wie oft muss da mein Chef hinauf
und den Kopierer reparieren
oder´s Handy inspizieren!
H:Was soll´n denn dauernd diese Geschichten?
Ich will weiter von der Schule berichten!
Die 4. Klasse hatte ich fertig, weiter geht´s:
Wer diesen Stress stets abgelehnt
und trotzdem sich nach Bildung sehnt,
der wird von Greußenheim seit Jahren
schon nach Büttelbrunn gefahren.
Die Linie heißt schon immer Kämpf-
Jedoch mit e. Des tut weng dämpf!
Da drüben, so hörte ich sagen,
braucht sich keiner zu beklagen.
Fleißig, eifrig, wissbegierig,
ordentlich und niemals schwierig
eilen sie in ihre Zimmer.
Anderswo ist´s vielleicht schlimmer...
Anderswo, ich hört es schon,
herrscht ein ordinärer Ton
und die Schüler einzig streben
nur nach einem faulen Leben.
Anderswo gibt´s Riesenklassen
mit enormen Schülermassen
deren Ziel darin besteht,
dass der Lehrer schnellstens geht.
Anderswo, da sind sie faul
haben oft ein freches M..... hoppla!
Schlampen ´rum mit ihren Sachen,
woll´n die Aufgaben nicht machen.
Das macht einen richtig froh:
Zum Glück gibt´s das nur anderswo!!
R:Anderswo ist mein Pfarrer oft!
Weil jeder sich von ihm erhofft,
dass er für ihn was übernimmt.
Viele sind fei recht verstimmt,
wenn er sagt, es wär zu viel,
denken, dass er bloß net will!
Überall, wohin man schaut,
kriegt er ein Pöstle ´naufgehaut.
Ich hätt schon längst jeden verjagt,
der mir´s anzutragen wagt!
Gutmütig ist er halt zu sehr,
drum werden´s Pöstchen immer mehr.
Und weil´s im Ort ein jeder kennt
ist er noch Sitzungspräsident
bei denen in der Faschingszeit
schon seit einer Ewigkeit.
Also, wenn ich Bischof wär,
dann käm ich aber schleunigst her
und würd dem sowas untersagen!
Da muss man sich doch wirklich fragen,
ob das dem geistlichen Stand an Ehre
nicht äußerst abträglich gar wäre?
H:Meine Güte, du hast Sorgen!
Denk mal lieber an die armen Lehrer.
Du siehst doch die Veränderungen,
die in die Schule sind eingedrungen.
Ich frag mich, wie wird´s weitergehen,
wenn wir in die Zukunft sehen?
Wenn man noch mehr Computer baut,
dann sind die Lehrer vielleicht bald „out“?
Die Schüler sitzen dann am PC
- da sitzen sie ja jetzt schon eh -
und lernen freiwillig mit Lust,
was die Lehrer ihnen jetzt ´neidrück gemusst´!
Viel billiger wär´s auch dabei.
Wir hätten wieder Steuern frei,
da könnt ´mer dann davon bezahlen
der CDU ihr nächste Wahlen....
R:Da könnte ich auch noch
was dazu beitragen....
H:Nix! Das gehört jetzt nicht zum Thema!
Komm, pack dein Zeug! Los! Und jetzt gehen ma.
Barbara Hennermann
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